FVS ROS 309”Bernhard Kellermann”
Seeunfälle ROS 309
                                                                                                                                    Kollision mit ROS 218 OELSNITZ                           Aufgeschrieben von Bernd Leverenz mit Bildern von Fred Kühn   22.03.1966 Nordatlantik , Fangplatz Hamilton-Bank Am 22.03.1966 kam es am hellen Tag zu einer Kollision zwischen dem Seitentrawler OELSNITZ i.V. Und der KELLERMANN. Ich hatte gerade freie Schicht und wurde durch die Kollision aus dem Schlaf gerissen. Ich will mich nicht in Spekulationen über das Geschehen vertiefen, und kann mich, da ich nur mittelbar beteiligt war, nicht weiter dazu äußern. Die Schäden an der KELLERMANN waren an Backbordseite in Höhe der Brücke. Betroffen war die Kammer des Politoffiziers. Im ein Deck tiefer gelagenen Mannschaftsunterkünften waren drei Kammern in Mitleidenschaft gezogen. Das Vorschiff der OELSNITZ durchbrach frontal die Bordwand. Zum Glück waren die Kammerbewohner zur Schicht in der Verarbeitung und es kam zu keinen Verletzten. Wenn ich mich richtig erinnere gab es auch keinen Wassereinbruch. Ein Wassereinbruch im großen Tiefkühlladeraum wäre überaus fatal gewesen. Wir hatten zudem großes Glück, dass die Wetterverhältnisse ungewohnt ruhig waren. Unser Decksschlosser konnte, nachdem wir auf Steuerbord-Schlagseite gelegt wurden, die Havarieschäden am Mannschaftsdeck mit einem Lukendeckel behelfsmäßig verschließen. Die dafür  nötigen Schweißarbeiten führte unser Decksschlosserer außenbords auf einer Stelling sitzend durch. Nach den Sicherungsmaßnahmen nahmen wir Kurs auf den neufundländischen Hafen St.John´s.            Voraus in der Küstenlinie, die Hafeneinfahrt St.John´s In der fjordartigen Einfahrt.                                                                                                                                                     Die Reparaturwerft führte die erforderlichen Arbeiten direkt an der Pier der Harbour-Street vor der Auffahrt des Kaufhauses BOWRINGS aus. Das bedeutete für uns, dass wir sehr zentral im Hafengebiet unseren Liegeplatz hatten. Da es eine gurchgehende Hafenstraße war, herrschte hier ein reger Fahrzeugverkehr. Es war schon interessant, statt TRABANT und WARTBURG hier die großen Straßenkreuzer der Marken BUICK, LINCOLN, CHEVROLET und PONTIAC vorbeifahren zu sehen. Für uns war es eine interessante Zeit mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen. An den Wochentagen wurde nach den Dienstplänen des normalen Seebetriebs gearbeitet. Auf einem Fischereifahrzeug sind ständig Arbeiten zu verrichten. Decksarbeiten, Brückenwache sowie die Beaufsichtigung der Gangway füllten den gesamten Wochentag aus. Ein altbekanntes deutsches Sprichwort lautet ´andere Länder-andere Sitten´ und wurde unserem klammen DDR -Devisenbeutel fast zum Verhängnis. In unserem fast 14-tätigen Aufenthalt fielen zwei Wochenenden, die für intensive Arbeiten unsererseits an Bord genutzt werden sollten. Unsere Schiffsleitungwar recht erstaunt, als nach dem ersten durchgearbeiteten Wochenende plötzlich kanadische Gewerkschafter in Polizeibegleitung uns einen Besuch abstatteten. Sie haben sich auf das Landesrecht aller Gläubigen zum arbeitsfreien Sonntags bezogen und waren gut vorbereitet. Der Schiffsleitung wurde ein sofortiges Verlassen des Hafens bzw. die sofortige Einstellung der Reparatur angedroht. Am folgenden, dem zweiten Sonntag, wurde die Einhaltung dieser Anweisung auch unter Deck kontrolliert. Nun schöpften wir wieder Hoffnung auf unseren geplanten Ausflug. Kurzer Landgang in die Stadt ist uns bei Freiwache stets gestattet worden. Bei den Leuten aus der Verarbeitung war das schon schwieriger. Den Verantwortlichen der Verarbeitung steckten bestimmt noch die 1963-er Erlebnisse mit der BRECHT im Gedächtnis fest. Für mich war die Liegezeit im Hafen, nach 1963, mein zweiter Aufenthalt in dieser Hafenstadt. Nach dem offiziellen täglichen Feierabend konnte auch ein kurzer Landgang unternommen werden.  Die Reparaturarbeiten der Werft gingen so langsam dem Ende entgegen und dadurch schienen einige Besatzungsmitglieder in Panik zu verfallen. Wie fast immer bei solchen Aufenthalten fehlten beim Auslaufen wieder einige Besatzungsmitglieder. Ob diese das erhoffte ´Land Sorglos´ gefunden haben ? Im allgemeinen lief die Kollision ja noch einigermaßen glimpflich ab, denn bei solchen Kollisionen hat es auf Fahrzeugen aus Cuxhaven und Bremerhaven Tote und einige Schiffsverluste gegeben. Wie es mit der beteiligten ´OELSNITZ i.Vogtland´ weiterging ist mir nicht bekannt.
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